Museo del Prado
Kaum eine Stadt bietet eine derart große Anzahl von Museen wie die spanische Hauptstadt Madrid. Am Rande der historischen Altstadt befindet sich das wohl bekannteste Museum, das Museo del Prado kurz der Prado genannt, das zu den schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört. Das Kunstmuseum gilt als eine der wichtigsten Pinakotheken der Erde und weit über die Landesgrenzen hinaus für seine einzigartige Gemäldesammlung von unschätzbarem Wert bekannt.Der Prado beherbergt nach Schätzungen 9000 Kunstgegenstände, darunter neben den ungefähr 3000 Gemälden auch Skulpturen, Zeichnungen, Münzen und Medaillen aus allen Epochen vom 11. bis 19. Jahrhundert. Der Besucher bekommt davon allerdings nur einen kleinen Teil zu sehen, die meisten Stücke befinden sich in unzugänglichen Kellerräumen. Die Sammlungen gehen bis auf den spanischen König Karl IV. zurück und wurden seitdem durch Einkäufe, Schenkungen und Nachlässe ständig erweitert. Besonders bedeutend ist die Sammlung spanischer Meister des 17. und 18. Jahrhunderts. Neben einer umfassenden Ausstellung der Werke der Maler Diego Velázquez und Francisco de Goya zeigt das Museum auch Gemälde internationaler Künstler wie Botticelli, Caravaggio, Rembrandt oder Dürer. Die Ausstellungen befinden sich auf drei verschiedenen Etagen und sind nach Themen, Malschulen und Künstlern geordnet. Zu den schönsten Abteilungen, die sich kein Besucher entgehen lassen sollte, gehört zweifelsohne die Sala de Tiziano. Neben den Dauerausstellungen sind auch regelmäßig Wechselausstellungen zu sehen.
Seit 2009 können 14 Werke auch am heimischen Computer bewundert werden. Möglich ist dies durch eine Zusammenarbeit des Museums mit dem Internetunternehmen Google. Werke von Velázquez, Rubens und de Goya wurden in einer sehr hohen Auflösung ins Netz gestellt und können über Google Earth abgerufen werden.
Mit dem Bau des Prado war 1785 unter dem Architekten Juan de Villanueva begonnen worden. Die Fertigstellung des ursprünglichen Gebäudes im neoklassischen Stil erfolgte 1808. Zunächst war es als Lehrsaal und für naturwissenschaftliche Ausstellungen vorgesehen. Als der spanische König Ferdinand VII. nach dem Vorbild des Pariser Louvre ein Gemäldemuseum einrichten wollte, fand er die passenden Räumlichkeiten im Prado und weihte ihn 1819 als "Königliches Museum" ein. Im Jahre 1872 wurden die Sammlungen des Dreifaltigkeitsmuseums in den Prado eingegliedert. Modernere Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert befinden sich seit 1971 im Museo Reina Sofia, das vor allem den Werken des 20. Jahrhunderts gewidmet ist.
Wegen Überalterung des Baus wurde 1989 beschlossen, das Museum zu restaurieren und gleichzeitig zu erweitern. Die Arbeiten begannen 1997, mussten jedoch wegen der Proteste von Anwohnern mehrfach unterbrochen werden. Seit Ende 2007 ist der Erweiterungsbau fertiggestellt, der neben dem Platz für zahlreiche Ausstellungstücke auch Raum für eine Eingangshalle, Vortragsräume und Werkstätten bietet. Das benachbarte Sankt Hieronymus Kloster wurde dabei in das Museum einbezogen. Der verfallene Kreuzgang des Klosters wurde vollständig abgetragen, wieder aufgebaut und mit einem Dach versehen. Der Kreuzgang, der zwischen den Säulen verschiedene Skulpturen zeigt, gehört heute zu den Prunkstücken der Anlage.
Für eine Besichtigung des Museums sollte reichlich Zeit eingeplant werden. Trotzdem ist es kaum möglich, die zahlreichen Kunstwerke bei einem Rundgang an einem Tag anzusehen. Eine Vorauswahl der Gegenstände, die der Besucher unbedingt besichtigen möchte, ist deshalb anzuraten. Der Audio-Guide, der im Eingangsbereich erhältlich ist, gibt zahlreiche interessante Informationen zu den gezeigten Werken, natürlich komplett mit Übersetzungsdienst – für diejenigen, die der spanischen Sprache nicht mächtig sind.